Programm

Roderick Shaw: Führen mit Taktgefühl

  

Der Dirigent Roderick Shaw entwickelte „Maestro Manager“ einen interaktiven, auf Musik basierenden Workshop für Führungskräfte und Teams. Hier lernen Manager Führungsaufgaben und Teamarbeit effizient und inspirierend zu gestalten. Vor über fünf Jahren begann Shaw mit diesem Workshop, der damals zwei Stunden dauerte (IFAM flash berichtete darüber). Heute erstrecken sich seine Seminare über 2-3 Tage. Die IFAM flash Redaktion ist neugierig geworden und fragte beim Maestro nach.

 

 

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Führen mit Taktgefühl

 
flash Redaktion: 
Herr Shaw, Sie bieten in Kooperation mit der HHL Executive GmbH und dem Bachfest, das vom 17.-19.6.2011 in Leipzig stattfindet, ein Führungskräfteseminar unter dem Titel „Führen mit Taktgefühl“ an. Was ist das Ziel des Seminars?


Roderick Shaw:
Ziel des Seminars ist es, den Teilnehmern die Parallelen zwischen der Führungsarbeit von Orchesterleitern und derjenigen von Managern bewusst zu machen und relevante Führungstechniken aus der Musikwelt in den Managementalltag zu übertragen.


flash Redaktion:
Was ist das Besondere im Vergleich zu anderen Führungsseminaren?

 


Roderick Shaw:
Wir vermitteln den Teilnehmern vor allem interaktive  nonverbale Kommunikationstechniken, die in Führungsseminaren sonst nur selten thematisiert werden. Die Fähigkeit, die Stärken und Schwächen von Einzelnen so zu managen, dass ein Optimum an Leistung erreicht wird, gleicht nämlich dem Dirigieren eines Orchesters. Die Teilnehmer bekommen zudem die einzigartige Gelegenheit, live ein Ensemble von hochkarätigen Profimusikern zu dirigieren und dabei zu lernen, die interaktiven Kommunikations- und Führungsprozesse innerhalb eines Teams aus einem ganz anderen Blickwinkel zu betrachten und zu beherrschen.

 


flash Redaktion:
Wie muss man sich das praktisch vorstellen?


Roderick Shaw:
Das Führungsseminar, das zweieinhalb Tage lang dauert, ist stark praxisorientiert und bindet die Teilnehmer aktiv ein. Neben musikalisch-sensorischen Trainingsinhalten werden sie einzeln, in Gruppen und Rollenspielen mit oder ohne Musiker an die Grundlagen nonverbaler Kommunikation und deren Notwendigkeit für ein erfolgreiches Mitarbeitermanagement herangeführt. Theoretische Erläuterungen und Videosequenzen stellen die praktischen Übungen in einen auf das Wirtschaftsleben bezogenen Zusammenhang. Ein Beispiel:

 


 
Erfahrene Spieler erkennen in den ersten fünf Minuten der ersten Probe was von einem Dirigenten zu erwarten ist. Von dem Moment an, von dem er vor dem Orchester erscheint, beeinflusst alles, was der Dirigent tut oder sagt, das Orchester entweder positiv oder negativ. Entscheidend ist die Körpersprache. Eine negative Geste kann in Sekundenschnelle das Orchester zum Erlahmen bringen und eine schlampige Haltung wird schnell wahrgenommen und reduziert automatisch die Konzentrationsfähigkeit und vermindert die Klangqualität. Und umgekehrt schlägt eine konzentrierte Präsenz und direkter Augenkontakt sofort ins Gegenteil um.

 


Die dynamischen Prozesse, die zwischen einem Orchester und seinem Dirigenten ablaufen, sensibilisieren uns dafür, wie wir besser kommunizieren können. Insbesondere dann, wenn wir die Musik als eine Metapher ansehen, die dazu auffordert, unser Augenmerk mehr auf Fragen, als auf Antworten zu fokussieren.


flash Redaktion: 
Sie als Dirigent können es uns sicherlich verraten. Was sind die drei Geheimnisse eines guten Dirigenten, die Führungskräfte inspirieren?


Roderick Shaw:

1. Er hört zu. Das ist die erste unabdingbare Voraussetzung für einen Dirigenten. Was ihn wirklich auszeichnet, ist seine Fähigkeit, genau hinhören zu können.

 


2. Seine Aufgabe besteht einzig und allein in seiner Fähigkeit, die Mitglieder seines Orchesters, stark zu machen. Ein großer Dirigent konzentriert sich darauf, das Orchester zu dynamisieren, indem er die Musiker auf seine Interpretation hinführt, aber gleichzeitig genau hinhört, wie sie zusammenspielen. Seine natürliche Autorität leitet sich aus der Tatsache ab, dass er auch der Vermittler einer Vision ist. Und doch ist er offen für die Ideen aus dem Orchester, dafür, wie seine Mitglieder die Musik empfinden. Je mehr Freiheit ihnen während der Aufführung zugestanden wird, desto größer ist die Chance, dass die Musiker besser spielen und so ihren Anteil am Gelingen als wertvoll ansehen. Er hat somit die Fähigkeit, zu inspirieren, zu überzeugen und zu beflügeln.

 


3. Die Aufgabe des Dirigenten ist es, die Orchester-Stimmen in einem harmonischen Gleichgewicht zu halten, um jede einzelne Stimme hören zu können. Das ist ja auch die Aufgabe jeder Führungsperson.


flash Redaktion: 
Womit wir bei Teamwork wären. Was ist die Voraussetzung dafür, dass Teamarbeit im Orchester funktioniert?

 


 Roderick Shaw: Wenn ein Dirigent mit einer bestimmten Gruppe, sagen wir den ersten Violinen, eine kniffelige Passage probt, kann er sicher davon ausgehen, dass die restlichen Mitglieder des Orchesters mitverfolgen, was er macht – sie schauen zu, sie hören zu und unweigerlich fällen sie auch ihr Urteil. Wenn er sauber und effizient arbeitet, dann wissen sie sich in guten Händen und sind bereit, ihrerseits konstruktiv zu kooperieren. Eine gute Orchesterprobe ist eine geballte Ladung von Effizienz. Daran, wie ein Dirigent so ein Problem löst, wird sofort klar, wie gut er hört und analysiert und letztendlich vermitteln kann. Hier sehen wir, dass es ein entscheidendes Merkmal guter Führung ist, Leute dazu zu bringen, einander zuzuhören.


Ein Team wächst zusammen, wenn deren Mitglieder erfahren, wie sie auf einander angewiesen sind. Die Qualität eines Orchesters hängt - und zwar hörbar - davon ab, in wie weit diese inneren Beziehungen zu einem Modell von Interdependenz werden. Ein Dirigent muss natürlich Anweisungen geben, die es den Mitwirkenden ermöglichen, seine Vision umzusetzen; dabei ist es von enormer Bedeutung, wie er das tut. Praktisch gesprochen reagieren Musiker ausnahmslos bereitwilliger auf positiv formulierte Anweisungen. Fast immer ist es möglich, negative Formulieren und Gesten durch positive zu ersetzen. Das führt uns zur Frage des Führungsstils. Der Dirigent steht an der obersten Spitze der Orchesterhierarchie. Allerdings ist er, sofern er sich als Coach versteht, viel eher in der Lage, eine positive Veränderung zu bewirken, als ein autoritärer Leader.

 


flash Redaktion: 
Was sagt uns Ihr Orchester-Modell demnach über Leadership?


Roderick Shaw:
Leader können sich von Natur aus kaum damit anfreunden, ein bestimmtes Maß an Kontrolle abzugeben, da diese ein wichtiger Teil ihrer Identität ist. Diejenigen allerdings, die das können, erleben, dass die von ihnen Geführten ihre bislang verborgenen Talente entfalten und schließlich viel mehr leisten, als sie selbst oder andere je für möglich gehalten hatten. Es ist also eine besondere Herausforderung für Führungskräfte, Bedingungen zu schaffen, die diese Talente freisetzen. Führen heißt, andere befähigen, sie zu motivieren statt zu kontrollieren.

 


Das Sinfonieorchester ist eine mächtige Metapher für die Neubewertung von Organisation und Leadership. Die Quintessenz, die sich aus der unmittelbaren Beobachtung eines interaktiv arbeitenden Orchesters ergibt, lautet: Die wahre Stärke einer jeden Organisation liegt darin, dass sie ihre Mitarbeiter motiviert und ihnen ermöglicht, aktiv miteinander zu kommunizieren. Das Ziel eines Managers muss es sein, die bestmöglichen Bedingungen dafür zu schaffen, dass dies möglich ist und seine größte Stärke besteht darin, dass er seine Mitarbeiter ihre Arbeit tun lässt.

 


flash Redaktion: 
Herr Shaw wir danken Ihnen für das Gespräch.


Weitere Informationen sowie Anmeldung und Kosten zum Seminar „Führen mit Taktgefühl“ erhalten Sie unter www.hhl.de/fuehren-mit-taktgefuehl