Praxis

Stephan Teuber: Checken Sie Ihre Führungsfähigkeit - Eine Checkliste mit Punktzahlen

 

Der Dipl. Theologe (kath.) und Dipl. Sportpädagoge Stephan Teuber ist Geschäftsführer der Unternehmensberatung Loquenz, sowie Vizepräsident im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU). Seine Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. in den Bereichen Change-Management/Gestaltung von Veränderungsprozessen sowie Führungskräfte- und Organisationsentwicklung. Er ist Mitherausgeber des Praxishandbuches Change Management, 2007.

 

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Checken Sie Ihre Führungsfähigkeit - Eine Checkliste mit Punktzahlen

 

Der Führer muss uns den Weg verkürzen,
uns aber selbst gehen lassen,
nicht tragen wollen und uns damit lähmen
Johann Gottfried Herder (1744-1803), deutscher Philosoph

 

Ob die Perspektive von Johann Gottfried Herder sich mit Ihrer eigenen Perspektive auf die Führungsaufgabe deckt, können Sie nur für sich selbst entscheiden. Führungsfähigkeit ist letztendlich, was Sie als einzelne Führungskraft wirkungsvoll macht, und dies lässt sich nur individuell aus Ihrer Perspektive beantworten.

 

Um jedoch eine kleine Orientierung zu bekommen, mag dieser kurze Selbstcheck hilfreich sein. Er orientiert sich an Fredmund Malik (Führen, Leisten, Leben: Wirksames Leben für eine neue Zeit, 2006). Für Malik bestehen die Aufgaben einer Führungskraft in wirksamer Führung. D.h. im Detail: Führungskräfte sorgen für Ziele, Organisieren, Entscheiden und Kontrollieren.

 

  • Für Ziele sorgen
    Wenige ausgewählte Ziele, dafür aber entsprechend große Ziele den Mitarbeitern vorgeben. Wichtig, die Ziele müssen quantifiziert sein.

 

  • Organisieren
    Mitarbeiter wollen prinzipiell leisten. Organisieren Sie die Rahmenbedingungen dafür; und sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeiter dies ebenfalls tun und ihre Aufgaben und Verantwortungsbereiche klären.

 

  • Entscheiden
    Nur Führungskräfte entscheiden. Das ist Ihre ureigenste und kritische Aufgabe Ihrer Führungsarbeit. Dazu gehören so wichtige Dinge wie der richtige Gebrauch von Partizipation und Konsens.

 

  • Kontrollieren
    Lenin wird die Aussage in den Mund gelegt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Vermutlich meinte er damit, man soll sich nur auf das verlassen, was man nachgeprüft hat. Kontrolle ermöglicht Vertrauen überhaupt. Alles andere ist Naivität.

 

Wichtig bei Kontrolle, kontrollieren Sie nicht das mögliche Maximum, sondern das nötige Minimum. Und konzentrieren Sie sich auf die Verhaltensebene.

 

Ihr Selbstcheck: 12 Fragen

 

Ich lade Sie ein, Ihren eigenen Standpunkt für sich selbst auf den Prüfstand zu stellen und Ihre eigene Position dadurch zu festigen oder zu rejustieren. Viel Spaß dabei!

 

1.  Wie Sie Ihre Aufgaben als Führungskraft sehen und in welchem Ausmaß Sie es zu realisieren schaffen.
2. Wie Ihre Mitarbeiter Sie dabei erleben.

 

1. Für Ziele sorgen
a) Für Ziele sorgen besitzt für mich eine hohe Priorität
Stimme überhaupt nicht zu      Stimme voll und ganz zu
                         1  2  3  4  5  6  7  8  9  10                              

 

b) Meine Mitarbeiter erleben, dass Sie über klare Ziele geführt werden
Stimme überhaupt nicht zu       Stimme voll und ganz zu
                          1  2  3  4  5  6  7  8  9  10                              

 

c) Meine Mitarbeiter halten mich für jemanden, dem klare Ziele wichtig sind
Stimme überhaupt nicht zu       Stimme voll und ganz zu
                          1  2  3  4  5  6  7  8  9  10                              

 

2. Organisieren
a) Bei auftauchenden Problemsituationen habe ich bei der Lösungsfindung regelmäßig die Rahmenbedingungen in meinem Fokus
Stimme überhaupt nicht zu       Stimme voll und ganz zu
                          1  2  3  4  5  6  7  8  9  10                              
         

b) Meine Mitarbeiter erleben mich v.a. in der Organisation der Leistungsvoraussetzungen
Stimme überhaupt nicht zu       Stimme voll und ganz zu
                          1  2  3  4  5  6  7  8  9  10                              

 

c) Meine Mitarbeiter würden über mich sagen: „der schaut nur danach, dass wir möglichst optimal arbeiten können“
Stimme überhaupt nicht zu       Stimme voll und ganz zu
                          1  2  3  4  5  6  7  8  9  10                              

 

3. Entscheiden

a) Nötige Entscheidungen treffe ich zeitnah und mit dem nötigen Augenmaß
Stimme überhaupt nicht zu       Stimme voll und ganz zu
                          1  2  3  4  5  6  7  8  9  10                              

 

b) Meine Mitarbeiter erleben sich bei Entscheidungen als Mitwirkende
Stimme überhaupt nicht zu       Stimme voll und ganz zu
                          1  2  3  4  5  6  7  8  9  10                              

 

c) Meine Mitarbeiter würden über mich sagen: „Er weiß, dass er zu entscheiden hat – wir werden aber passend in den Entscheidungsprozess integriert.“
Stimme überhaupt nicht zu       Stimme voll und ganz zu
                          1  2  3  4  5  6  7  8  9  10                              

 

4. Kontrollieren

a) Mir fällt kontrollieren leicht
Stimme überhaupt nicht zu       Stimme voll und ganz zu
                          1  2  3  4  5  6  7  8  9  10                              

 

b) Meine Mitarbeiter erleben angemessene Kontrollen auf der Ebene des Verhaltens und der Ergebnisse
Stimme überhaupt nicht zu       Stimme voll und ganz zu
                          1  2  3  4  5  6  7  8  9  10
      

c) Meine Mitarbeiter halten mich für jemanden, der gerne im ausreichenden und notwendigen Maße kontrolliert
                                    
Stimme überhaupt nicht zu       Stimme voll und ganz zu
                          1  2  3  4  5  6  7  8  9  10                              

 

Für die Auswertung schreiben Sie jetzt die Punktzahlen von a)-c) pro Frage nebeneinander.

 

Sind diese sehr ähnlich, dann herzlichen Glückwunsch zu Ihrem kongruenten Verhalten und Wirkung. Vielleicht gehen Sie dann in der nächsten Woche auf Ihre Mitarbeiter zu und stellen Ihnen diese vier kurzen Fragen in der Realität, um Ihr Selbstbild mit dem Fremdbild Ihrer Mitarbeiter abzugleichen.



Sollten Ihre Werte auseinander liegen, dann nutzen Sie die kommenden Tage zur Selbstbeobachtung und Selbstreflexion. Wo entspricht Ihr Verhalten noch nicht Ihrem Wunschbild und wie können Sie sich diesem Schritt für Schritt annähern? Oder Ihr Wunschbild Ihrem tatsächlichem Verhalten näher bringen.